Werken mit Kindern zuhause ist viel mehr als ein Zeitvertreib. Es ist gemeinsames Tun. Echtes Arbeiten. Ein Stück Selbstständigkeit.
Viele Eltern wünschen sich, mit ihrem Kind zu hämmern, zu sägen oder kleine Holzprojekte umzusetzen. Gleichzeitig tauchen Fragen auf: Was brauche ich wirklich? Wie richte ich eine Kinderwerkstatt ein? Ist das Holzwerken nicht gefährlich?
Es braucht weniger, als man denkt, kein perfekter Werkraum und keine Profiausstattung. Was man am Anfang braucht, ist ein fester Ort, gutes Werkzeug in passender Größe (lieber weniger aber dafür hochwertig) und die Bereitschaft, Dinge gemeinsam auszuprobieren.
Wir zeigen Euch Schritt für Schritt, wie aus unser Sicht das Werken mit Kindern zuhause gelingt und Spaß bereitet.

Eine Kinderwerkstatt braucht keinen eigenen Raum. Werken mit Kindern funktioniert in der Küche, im Keller, in der Garage oder in einer ruhigen Ecke des Kinderzimmers.
Wichtig ist ein fester Platz. Wenn Werkzeug und Materialien nicht jedes Mal neu aufgebaut und wieder weggeräumt werden müssen, entsteht Kontinuität. Ist das nicht möglich, Kann das Werkzeug in einer Werkzeugkiste verstaut werden und zum Werken hervor geholt werden. Das ist auch aus Sicherheitsgründen sinnvoll, falls der Raum noch für andere Aktivitäten genutzt wird. Die Vorbereitungszeit sollte möglichst gering gehalten werden, so entsteht keine Hemmschwelle, alles aufbauen zu müssen, wenn man auch nur mal für 20 minuten etwas werken möchte.
Ein klar definierter Werkbereich schafft auf jeden Fall Struktur und das erhöht die Sicherheit beim Holzwerken mit Kindern. Ist der Raum nicht vorhanden, lässt sich aber auch mit wenigen Handgriffen im Wohnzimmer oder in der Küche werken.

Eine richtige Kinderwerkbank sieht toll aus und ist natürlich auch eine große Hilfe beim Werken. Am Anfang reicht aber ein stabiler Tisch, der nicht wackelt. Wichtig ist, dass das Werkstück fest eingespannt werden kann. Das ist natürlich am einfachsten mit einer Werkbank, aber eine Tischschutzunterlage und Schraubstock oder notfalls zwei Schraubzwingen tun es am Anfang allemal.
Die Arbeitsfläche sollte ungefähr auf Höhe des Bauchnabels liegen. So können Kinder sicher hämmern und sägen. Die Höhe kann zum Beispiel mit einer stabilen Bank oder einem breiten Hocker auch angepasst werden.
Stabilität ist wichtiger als Größe. Eine kleine, feste Werkbank schafft mehr Sicherheit als ein großer wackeliger Tisch. Mit einem Meter Breite kann man schon viele tolle Werkstücke herstellen. Auch auf 50 x50 cm Fläche lassen sich einfache Werkprojekte umsetzten.
Ein gut ausgeleuchteter Arbeitsplatz erleichtert das Werken und sorgt für weniger ermüden. So kann man länger konzentriert arbeiten. Eine kleine Lampe über der Werkbank sorgt für Sicherheit. Ein heller Ort am Fenster ist ideal, wenn es davor nicht zu viele Ablenkungsmöglichkeiten wie vorbeifahrende Autos oder dergleichen gibt.
Wenn jedes Werkzeug einen festen Platz hat, fällt das strukturierte Arbeiten und besonders das Aufräumen leichter. Besonders gut geht das mit einer kleinen Werkstattwand. Wenn Hammer, Zange und Säge ihren festen Platz haben, entsteht automatisch Sorgfalt. Kinder übernehmen diese Struktur sehr schnell. Zwischendurch aufräumen, Holzreste aufheben und kurze Pausen tragen zum erfolgreichen Werken bei.
Am Anfang ist weniger manchmal mehr. Es lohnt sich in hochwertige Werkzeuge zu investieren. Lieber eine gute Gundausstattung, die lange Freude bereitet und bei Zeiten erweitert werden kann (Geburtstag, Ostern, Weihnachten), als ein Set aus 1000 Werkzeugen, die aber nach der ersten Benutzung verbiegen, oder für Kinder überhaupt nicht gut zu halten sind.
Für den Einstieg ins Werken mit Kindern zuhause haben sich bewährt:
Wichtig ist, dass das Werkzeug funktioniert. Stumpfe Sägen oder schwergängige Bohrer führen schnell zu Frust. Kinder arbeiten konzentrierter und sicherer mit gutem Material. Mit dem großem Werkzeugset habt ihr ein Wunschlos-Glücklich-Paket.
Mehr Information zu den Werkzeugen findet Ihr in unserer Werkfibel, dem Werkzeuglexikon oder bei den Werkzeugführerscheinvideos.
Damit Kinder mit Holz arbeiten können, muss dieses einige Kriterien erfüllen: Es sollte verhältnismäßig leicht zu bearbeiten sein, aber stabil genug bleiben, damit die Bauwerke nicht auseinander fallen. Ein bischen Widerstand sollte es auch leisten, das man hinterher um so stolzer sein kann, das Brett zersägt zu haben.
Für Anfänger eignen sich Nadelhölzer wie Fichte und Tanne. Härtere Laubhölzer eignen sich für kleinere Stücke zum Beispiel Rundstäbe und Räder.
Das Holz sollte trocken und frei von Schadstoffen sein. Das wiederverwerten von Holz ist nachhaltig und sinnvoll, aber man sollte daruf achten dass es nicht lackiert oder bemalt ist.
Wir empfehlen für den Anfang einen kleinen Holzbausatz, bei dem richtig gesägt und gehämmert wird, oder ein Paket Kreativholz.

Beim Holzwerken mit Kindern und Handwerkzeugen wird in der Regel keine besonere Schutzausrüstung benötigt. Es kann sinnvoll sein, Schürze anzuziehen, einfach um die Kleidung etwas vor Späne, Leim und Farbe zu schützen. Kinder sollten auf jeden Fall feste Schuhe und eher robuste Kleidung tragen. Aber andere Dinge wie Sicherheitsschuhe, Helm und Handschuhe werden nicht benötigt und können auch eher hinderlich sein.
Bei der Arbeit mit Stein oder sehr intensiven Arbeiten, wo die Späne fliegen ist eine Schutzbrille sinnvoll. Manche Kinder tragen gerne ein Gehörschutz, weil sie das Hämmern zu laut finden. Handschuhe hingegen nehmen oft das Gefühl für das Werkzeug und sind beim Sägen oder Bohren eher hinderlich.
Viel wichtiger als eine übertriebene Schutzausrüstung sind:
Gerade am Anfang sind schnelle Erfolgserlebnisse entscheidend. Kinder möchten sehen, was sie geschafft haben. Es ist also nicht sinnvoll mit einem Risigen Bausatz anzufangen, der voraussichtlich mehrere Wochen dauert und die ganze Zeit kleinlich und Detailverliebt gearbeitet werden muss.
Ganz am anfang reicht es manchmal schon ein Nagel in ein Brett zu hauen, oder ein Stück einer Leiste abzusägen. Wichtig ist, es kommt nicht auf die Perfektion an, das erste Mal sägen ist häufig etwas ruckelig und meist wird es leicht schief, aber das macht nichts. Wichtig ist, das Erfolgserlebnis, mit Hilfe eines Werkzeuges so ein hartes Stück Holz zersägen zu können.
Ein ganz einfaches Projekt zum Start ist ein Igel. Hierbei wird ein wenig gesägt, geschliffen und dann werden viele Nägel als Stacheln eingehämmert. wer möchte gestaltet die Nase und Augen mit Holzperlen, es gehen aber auch Wackelaugen oder Punkte mit einem Stift.

Hier findet ihr eine bebilderte Anleitung. Als Material eigent sich da kleine Holzbrettchen. Wer mehrere Igel bauen möchte, z.B. mit einer Gruppe von Kindern, wird hier fündig.
Das erstellen von Nagelbildern ist ein niedrigschwelliges und einfaches Projekt um mit den Werken zu beginnen. Dabei werden Punkte aufein Brett gezeichent, in die die Nägel eingeschlagen werden. Werden diese nun mit einer Schnur, bunter Wolle oder auch einem Gummiband verbunden, entstehen kleine Kunstwerke.

Projekte mit hohem Spielwert und ein Dauerthema in unserer Holzwerkstatt sind Schiffe in allen Formen und Größen. Manchmal reicht es ein Stück Holz an einer Seite leicht anzuspitzen und en Rundstab darauf zu befestigen: Fertig ist das Segelboot. Wer mehr möchte, baut eine Reeling aus Nägeln und Schnur, vielleicht ein Ausguck, Anker etc.

Holzbausätze für Kinder sind ein wunderbarer Zwischenschritt zwischen freiem Ausprobieren und ganz eigenem Konstruieren. Sie geben eine klare Idee vor, lassen aber genug Raum für eigenes Tun.
Ein guter Holzbausatz nimmt Kinder an die Hand, ohne ihnen alles abzunehmen. Die Teile sind vorbereitet, doch gesägt, gebohrt, geschliffen und montiert wird selbst. Genau hier entsteht das eigentliche Lernerlebnis. Es sollten immer genügend Freiheit bleiben, Dinge doch anders zu bauen oder die Möglichkeit der Individualisierung zu haben. Deshalb sind starre Bausätze, die nur daraus bestehen, ausgestantzte Teile zu verleimen für Kinder häufig langweilig und pädagogisch nicht sinnvoll.
Auch zu komplexe Projekte führen schnell zu Frust es müssen klare abgeschlossene kleine Schritte möglich sein und nach nicht zu vielen Werkeinheiten fertig sein oder zumindest zu einen erkennbaren Bauvortschritt führen.
Mit jedem fertigen Werkstück wächst das Selbstvertrauen. Und mit jedem Projekt wächst die Freude am Handwerk.
Die Bausätze von der Werkkiste, die das gesamte Material und ein leicht verständliches Anleitungsheft enthalten, bieten genau das: Vom Katamaran über eine Gitarre bis zum Murmelflipper gibt es für Anfänger und Fortgeschrittene lustige und kreative Bauideen.

Das Arbeiten mit Holz bietet Kindern eine wunderbare Möglichkeit, etwas Besonderes zu schaffen und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Durch die verschiedenen Anregungen und mit Unterstützung Erwachsener können Kinder beim Bauen und Werken ihre Handlungsplanung erproben, ihre Kreativität nutzen und mit dem individuellen Erschaffen eigener Holzkunstwerke ihr Selbstvertrauen stärken.
Werken mit Kindern zuhause stärkt weit mehr als handwerkliche Fähigkeiten.
Das Werken fördert:
Vor allem aber schafft das Holzwerken eine gemeinsame Zeit, in der nicht konsumiert, sondern gestaltet wird.
Eine kleine Kinderwerkstatt zuhause ist kein Luxus. Sie ist ein Raum für Entwicklung.
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